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Zug um Zug eine Freud’: Zu Besuch beim Holzkirchner Musikzug.

Zug um Zug eine Freud’: Zu Besuch beim Holzkirchner Musikzug.

„Semper Fidelis“ heißt das zackige Stückl, mit dem der Spielmannszug* des Holzkirchner Musikzugs die wöchentliche Probe diesmal eröffnet. Glockenklar klingt und rummst es und ist fast ein wenig  laut  für den großen Raum des Vereinsheims in der Holzkirchner Raiffeisenstraße: Man merkt gleich, diese kompakten Klänge gehören hinaus auf große geschmückte Straßen, auf Umzüge, Empfänge und Feste.

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Der Musikzug in der unterjährigen roten Tracht. Zu Fasching wird ein blau-weißes Landsknecht-Kostüm getragen.

Wo wir schon bei den Festen sind – bald ist wieder Frühlingsfest, heuer mit dem 40. sogar eine Jubiläumsausgabe. Und das Frühlingsfest – viele wissen es immer noch nicht – richtet seit jeher der Holzkirchner Musikzug aus. Und mit den Erlösen dieses traditionell gut besuchten Holzkirchner Volksfestes – auch das gerät leider immer wieder in den Hintergrund, weil es für die Presse oft interessanter ist über ein paar Scherben am Bahnhofsweg zu schreiben –  finanziert der Musikzug vor allem die Arbeit mit dem musikalischen Nachwuchs in der Marktgemeinde.

„Ab etwa acht Jahren, oder sagen wir, wenn die Kinder ungefähr wissen wo links und rechts ist, ist bei uns jedes Kind herzlich willkommen“, erklärt uns Andi Forstner, seit fünf Jahren Vorstand und zusammen mit Tambourmajor Otto Wagner musikalischer Leiter des Zuges. „Außer Freude am gemeinsamen Musizieren müssen die Kinder eigentlich nichts mitbringen. Wir bilden unsere Neulinge individuell in Kleingruppen an Flöte, Lyra oder Trommel aus und stellen von Instrumenten bis zur Kleidung alles zur Verfügung. Und wenn’s ist, bringen wir unseren Schülern auch erstmal das Notenlesen bei.“

Für die Ausbildung am Instrument sind es gerade einmal 60 Euro im Jahr, die fällig werden. Sind die Eleven dann musikalisch so weit, dass sie „ausrücken“ könnten, gilt die Ausbildung als abgeschlossen und der jährliche Mitgliedsbeitrag reduziert sich auf sechs Euro, ab dem 18. Lebensjahr sind es dann acht. Insgesamt also vertretbare, wenn nicht sogar lächerlich geringe Beiträge für all das, was Kinder und Jugendliche im Musikzug erwartet.

Musikzug Holzkirchen 91Souverän dirigiert Forstner seine Schützlinge durch die Partitur. Kein falscher Quietscher entgeht im – aber er nimmt jeden falschen Ton mit trockenem Humor. Es wird gelacht. Man merkt, dass niemand der teils sehr jungen Musikerinnen und Musiker Angst haben muss, von ihm bloßgestellt zu werden.

„Es soll halt Spaß machen, ganz einfach“, resümiert Forstner. „Ein reines Leistungsdenken wäre hier völlig fehl am Platze. Wir drillen ja die Leute nicht fürs Konservatorium. Die Mädels sind oft viele Jahre dabei, dann finden Sie einen Freund, ziehen zum Studieren weg oder gründen eine Familie und mögen nimmer. So ist es halt. Aber es soll jeder a schöne Zeit haben bei uns.“

Abwechslung ist beim Musikzug in jedem Fall geboten: Ausgerückt wird mehrmals im Jahr zu den verschiedensten Festen im Umland. Ein Höhepunkt ist etwa der jährliche Ausflug in den Europapark nach Rust, wo man beim Maibaumaufstellen für den musikalischen Rahmen sorgt oder die Fahrt zum befreundeten Spielmannszug nach Düsseldorf.

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Man kommt herum…

Semper Fildelis – Für immer treu. Das könnte dem Holzkirchner Musikzug auch als Motto ganz gut stehen. „Als der Verein 1969 von Franz Grad und seinen Mitstreitern gegründet wurde, hat man für die 10jährige Mitgliedschaft die Ehrennadel in Bronze, für 15 Jahre die in Silber und 20 Jahre die in Gold vorgesehen. Die Farben langen uns hint‘ und vorn nimmer“, lacht Forstner. Wie bestellt, kommen Christa Wagner und Karl Bauer vorbei, die beide – mit Verlaub – das Teenageralter schon eine Weile hinter sich gelassen haben und immer noch überzeugte Aktive des Musikzuges sind.

Viele bleiben dem Musikzug treu, manche wechseln nach den Lehrjahren im Spielmannszug mit einem anderen Instrument in die Blaskapelle des Holzkirchner Musikzuges oder bleiben der Musik anderweitig treu.

Die Probe neigt sich dem Ende zu, die Kinder sausen noch ein wenig durch den Garten des großzügigen Anwesens, das inmitten der Industriebauten wie eine urgemütliche Insel wirkt und die erwachsenen Musikerinnen und Musiker lassen zusammen mit den Honoratioren des Vereins den Abend im bestens ausgestatteten Stüberl ausklingen.

So zeitlos, wie das Vereinsheim im hektischen Holzkirchen dasteht, so wertvoll ist auch der Umgang miteinander in diesem beachtlichen Verein. Die Großen schauen auf die Kleinen, die Kleinen schauen zu den Großen auf und alle schauen, dass sie eine gute Zeit miteinander haben.

Wer also nicht weiß, wohin mit seinen Liedern im Kopf, wer seinen Nachwuchs musikalisch nicht irgendwem, sondern einer wunderbaren Gemeinschaft überlassen will, dem sei ein Besuch beim Holzkirchner Musikzug angeraten.
Immer Dienstags um Siemme.

 

Im Laufe der Zeit haben sich die Spielmannszüge über die Militärmusik des 18. und 19. Jahrhunderts zu der heutigen Form entwickelt. In den Jahren 1933-1945 wurde das Spielmannswesen leider zu populistischen Zwecken eines Unrechtssystems mißbraucht. Es gibt in Deutschland eine Vielzahl von Spielmannszügen, die in der Mehrzahl hauptsächlich in Mittel- und Norddeutschland zu finden sind. Der Spielmannszug Holzkirchen pflegt diese alte Tradition, indem er diese Art von Musik perfekt zu beherrschen versucht.

Das Repertoire geht von historischen Stücken über Volkslieder bis hin zu modernen Stücken im Stil der amerikanischen Drumerbands. Die sehr effektvolle Spielmanns-Musik eignet sich hauptsächlich für Standkonzerte im Freien und in sehr großen Räumen, sowie für Musik in der Bewegung, wie Festumzüge, Einzüge, Einlagen und klangvolle Eröffnungen von Festen und feierlichen Anlässen. Eine sehr wichtige Komponente eines Spielmannszuges ist neben der gekonnten, dynamischen Intonierung der Musik das optische Erscheinungsbild, welches durch diszipliniertes, exaktes Auftreten und choreographisch einstudierte Bewegungen seine Akzente setzt. Der Spielmannszug ist zum Großteil mit sehr jungen Musikern besetzt, da sich hier wie kaum anderswo eine Motivation zum Erlernen und Üben eines Instruments über die mögliche Teilnahme an attraktiven Auftritten bereits in einem frühen Stadium erreichen läßt.
(Textauszug des Musikzuges Holzkirchen)

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Dem Musikzug seit Jahrzehnten treu: Christa Wagner und Karl Bauer.

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Dem Verein seit der Gründung verbunden: Fritz Grad.

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Frühlingsfesteinzug 2013

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Immer um musikalische Frühförderung bemüht: Vorstand Andi Forstner.

 

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